Der Tiger im Busch - 5 Huna-Wege aus der Angst

Aktuell, so scheint mir, ist ein Gefühl im Kollektiv-Feld so stark präsent wie seit langem nicht mehr: die Angst. Beinahe jede und jeder von uns wird oder wurde in letzter Zeit auf irgendeine Art und Weise damit konfrontiert. Sei es, dass er oder sie Angst davor hatte, am Corona-Virus zu erkranken, Angst um Angehörige, oder aber Angst davor, die Regierung könne auf längere Sicht ihre Macht missbrauchen und uns allzu stark in unserer Freiheit einschränken - einer dieser oder ähnlicher Ängste (oder allen drei gleichzeitig, so wie ich… :D) sind vermutlich die meisten von uns in letzter Zeit begegnet.

Da dieses Thema also gelinde gesagt eine gewisse Aktualität zu besitzen scheint, möchte ich hier ein paar Gedanken dazu mit Dir teilen, die natürlich wie sooft inspiriert sind von Huna, der ebenso freud-, wie kraftvollen Weisheit Hawai’is. Und da sowohl ich als auch Huna sehr praktisch veranlagt sind, stellen wir uns als erstes die Frage: was ist Angst denn eigentlich überhaupt? Im Folgenden möchte ich Dir dazu einige Impulse geben, die von dem bekannten Huna-Lehrer Serge Kahili King stammen.

Die drei Bühnen der Angst

Wenn wir uns also fragen, was Angst eigentlich ist, ist es nützlich, uns anzusehen, wo sie stattfindet, wo und wie wir sie wahrnehmen und erfahren. Hier finden wir drei Ebenen, drei Bühnen der Angst sozusagen:

1. Die physische/körperliche Ebene

Körperlich nehmen wir Angst schlicht wahr als Anspannung. Genauer gesagt Muskelanspannung, kombiniert mit dem Ausstoß von Adrenalin. Damit erzeugt der Körper einfach nur Grundbedingungen, die uns auf eine Aktivität jeglicher Art vorbereiten. Wenn wir beispielsweise einen Berg besteigen oder auch nur eine schwere Kiste anheben wollen, brauchen wir diese Kombination aus Anspannung und Adrenalin, damit unser Körper Energie für diese Aktivität hat. Im Falle der Angst wäre die Aktivität, auf die wir uns körperlich vorbereiten, ein möglicher Kampf oder eine Flucht.

—> Erste Bühne der Angst: ANSPANNUNG 

2. Die emotionale Ebene

Auf der emotionalen Ebene ist Angst zunächst einfach nur vergleichbar mit einem Gefühl der gespannten Erwartung oder Vorwegnahme. Wir fühlen uns aufgeregt/aufgewühlt, weil wir erwarten, dass etwas Wichtiges passieren wird. Nicht mehr und nicht weniger. 

—> Zweite Bühne der Angst: ERWARTUNG 

 

Was dem Ganzen nun aber erst die unverwechselbare „Geschmacksnote“ der Angst verleiht, ist:

Tadaaa…

3. Die mentale Ebene 

Denn auf dieser Ebene, der Ebene des Verstandes geschieht gewissermaßen die Prägung der anderen beiden Ebenen. Die Bühnen erhalten hier sozusagen ihre Dekoration, wenn wir so wollen. Denn die Rolle der mentalen Ebene bei unserer Angst-Erfahrung ist die der Vorstellung, der Imagination: mittels unseres Verstandes stellen wir uns vor, dass eben jenes wichtige Ereignis, das da vor uns liegt und den Körper sich anspannen und die Gefühle in Aufregung geraten lässt - etwas Schlechtes ist!

—> Dritte Bühne der Angst: VORSTELLUNG

Der Tiger im Busch

Und spätestens hier wird es nun spannend. Denn nicht nur ist diese dritte Komponente der Angst die mächtigste, die den anderen beiden ihren Stempel aufdrückt. Nein sie ist zugleich auch völlig unabhängig davon, ob sich etwas gerade wirklich unmittelbar vor uns befindet (Bsp.: ein Auto rast auf Dich zu, Dein Verstand imaginiert die - in diesem Fall eher negativen - Konsequenzen davon, wenn Du jetzt dort stehen bleiben würdest, wo Du bist…) oder ob es nur in unserer Erinnerung beziehungsweise als Zukunfts-Projektion existiert… In beiden Fällen werden die exakt gleichen körperlichen und emotionalen Reaktionen ausgelöst! Die Psychologie nennt dies das „Tiger-im-Busch-Phänomen“: wenn wir im Dschungel unterwegs sind und aus einem Busch vor uns ein Geräusch kommt, das von einem Tiger stammen könnte, dann reagieren wir darauf exakt gleich, egal ob dort tatsächlich ein Tiger hinter dem Busch sitzt oder eben nicht. Es reicht, dass unser Verstand sich vorstellt, dort könnte ein Tiger sein!

Fünf Huna-Wege aus der Angst

Wir erleben also, wenn wir Angst haben, in Wahrheit einfach nur eine Kombination aus Anspannung, Erwartung und Vorstellung. Nicht mehr und nicht weniger. Diese drei Komponenten sind aber im Grunde erst einmal neutral. Wir können sie erfahren und damit umgehen, wie auch immer wir möchten… Und weil Huna und ich immer noch sehr praktisch orientiert sind, wollen wir uns jetzt einmal ansehen, wie wir auf diesen drei „Bühnen der Angst“ nun ein Stück aufführen können, das uns gefällt, wie wir also konstruktiv und proaktiv mit unserer Angst umgehen können. Da die Angst auf den drei erläuterten Ebenen kreiert und erfahren wird, finden wir in ihnen nämlich glücklicherweise auch die Schlüssel zum Weg aus der Angst. Schauen wir uns die einzelnen Ebenen aus dieser Perspektive nun also nacheinander an:

1. Die physische Ebene (Anspannung)

Da der körperliche Aspekt der Angst Muskelanspannung ist, ist die Lösung auf dieser Ebene so simpel wie naheliegend: ENTSPANNUNG! Wir können keine Angst haben mit entspannten Muskeln! Dies ist ein verblüffendes Phänomen, das Du gleich ausprobieren kannst: setze oder lege Dich hin und entspanne bewusst so viele Muskeln Deines Körpers, wie Du kannst. Achte darauf, keinen einzigen Muskel bewusst anzuspannen. Dann versuche, Angst zu empfinden. Es wird nicht funktionieren. Wenn Du das nächste Mal eine Welle der Angst heraufziehen fühlst, erinnere Dich an diesen Trick und probiere ihn aus. Natürlich erfordert es etwas Übung, sich bewusst zu entspannen (besonders im Angesicht einer Angst-Empfindung) und Du solltest Dich nicht selbst dafür verurteilen oder gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn es nicht gleich bei den ersten Versuchen funktioniert. Aber: es lohnt sich und ist verblüffend effektiv.

2. Die emotionale Ebene (Erwartung)

Auf der emotionalen Ebene erfahren wir Angst, wie wir gesehen haben, als das aufwühlende Gefühl der Erwartung, dass etwas Wichtiges geschehen wird. Der Schlüssel zum Umgang mit Angst auf dieser Ebene lautet daher: SENSORISCHE ACHTSAMKEIT. Fokussiere Deine emotionale Energie und bewusste sinnliche Wahrnehmung vollkommen auf den gegenwärtigen Augenblick, den einzigen, der wirklich existiert! In dem Moment, wo Du Deine Umwelt bewusst mit allen Sinnen wahrnimmst, bist Du ganz im Hier und Jetzt - und Erwartung und Vorwegnahme, welche die Angst kreieren, werden außer Kraft gesetzt. In dem Moment, wo Du alles genau wahrnimmst (Wie riecht es um Dich herum? Welche Farben und Formen entdeckst Du? Wie fühlt sich die Kleidung auf Deiner Haut an? Wie der Boden unter Deinen Füßen? etc.) findet keine Vorwegnahme mehr statt - und damit auch keine Angst. Probier es aus!

3. Die mentale Ebene (Vorstellung)

Da die mentale Ebene diejenige ist, die die anderen beiden beeinflußt und steuert, ist sie auch diejenige, die all unsere Bemühungen auf diesen Ebenen im Umgang mit der Angst wieder zunichte machen kann… Zum Glück ist sie aber auch die Ebene mit den meisten Möglichkeiten, positiv mit der Angst umzugehen!  

Wir stellen uns auf mentaler Ebene oft die Frage WAS WÄRE, WENN…? „Was wäre, wenn diese oder jene Katastrophe geschieht?“… und dann malen wir uns die schrecklichen Folgen dieses Szenarios und die daraus für uns resultierenden Konsequenzen in allen Details aus. Da ist er wieder, der Tiger im Busch… Dieses „Was wäre wenn…“ ist sehr machtvoll und zugleich ziemlich hinterhältig, da es oft sehr subtil und ganz automatisch, unbewusst abläuft. Wir sind schlicht daran gewöhnt. Das Schöne ist aber: auch die Frage „Was wäre wenn…?“ ist zunächst einmal neutral! Da wir sie uns nun ja sowieso immer wieder stellen, warum sollten wir uns dann nicht zur Abwechslung einmal fragen: „Was wäre, wenn… etwas GUTES passiert?“ Sage Dir beim nächsten Mal, wenn die Maschinerie der Imagination wieder anläuft, also bewusst „Stopp!“ und stelle Dir dann die Frage: „Was wäre, wenn diese Situation sich überaus positiv und erfreulich entwickelt? Was sind die daraus resultierenden Konsequenzen für mich? Wie fühle ich mich dann? Was tue ich in diesem Fall?" Male es Dir mindestens so detailreich und farbenfroh aus, wie bislang die negativen Vorstellungen und Bilder! Das Resultat davon wird eine unmittelbare Entspannung auf körperlicher und emotionaler Ebene sein. Die Angst wird verschwinden!

Wie gesagt, gibt es auf mentaler Ebene die meisten Wege, um positiv mit der Angst umzugehen. Und daher wollen wir uns jetzt noch zwei weitere ansehen. Eine weitere Technik wird von Serge Kahili King in vielen seiner Teachings empfohlen und ist ebenfalls sehr kraftvoll. Dazu müssen wir zuerst wissen, dass unser Verstandesselbst, hawaiianisch Lono, gerne Gewissheiten mag. Dinge, die für uns wahr sind, klar abgegrenzt und kontrollierbar. Geben wir Lono etwas derartiges, worauf es sich fokussieren kann, wirkt das sehr schnell entspannend und zentrierend. Ein weiterer Weg, der Angst konstruktiv zu Begegnen ist daher, dass Du ein Statement (bestehend aus nicht mehr als 3-5 Wörtern), an welches Du zu 100 Prozent glauben kannst, eine Zeit lang immer wieder innerlich wiederholst. Etwas, worüber Du absolut keine Zweifel hegst. Etwas, bei dem Lono, Dein Verstandesselbst und Ku, Dein Unterbewusstsein sich absolut sicher und stark fühlen, da sie es als (subjektive) Wahrheit erkannt haben. Das kann etwas ganz einfaches sein, wie beispielsweise „Der Himmel ist Blau“, aber auch „Die Erde ist wunderschön“. Oder auch ganz banal: „Ich habe 10 Finger“, oder "Ich bin gerade hier“. Finde für Dich selbst heraus, bei welchem Statement Du Dich am wohlsten und sichersten fühlst, weil es für Dich eben eine absolut sichere Wahrheit ist. Wenn Du diese Gewissheit innerlich einige Male wiederholst und Dich darauf fokussierst, wirst Du Entspannung und Zentrierung auf physischer und mentaler Ebene erfahren - und die Angst verschwindet. Probiere es aus und experimentiere ruhig mit ein paar verschiedenen Wahrheiten herum, um herauszufinden, welche für Dich am besten funktionieren!

Als fünften Huna-Weg aus der Angst möchte ich Dir jetzt noch etwas vorstellen, das man Erschaffen positiver Gedankenformen nennt. Eine Gedankenform ist eine mental erschaffene Form in unserer Wirklichkeit, sozusagen ein Gedanke, welcher durch Vorstellungskraft einen äußeren Ausdruck erfährt und den wir beinahe genauso beobachten und wahrnehmen können, wie jeden anderen sinnlichen Eindruck in unserer Umgebung. Du erschaffst eine positive Gedankenform, indem Du Dich in Deiner Vorstellung beispielsweise mit etwas umgibst, das Dich Dich vollkommen wohl und sicher fühlen lässt. Das kann eine Farbe sein, bestimmte Bilder oder Symbole (Blüten, Vögel oder was auch immer), oder auch diverse innere Helfer, die Du Dir an Deiner Seite imaginierst (egal ob Superman, einen Engel oder irgendetwas anderes). Wichtig ist, dass es für Dich unzweifelhaft hilfreich, stark und vertrauenswürdig ist. Dein Ku, Dein unteres Selbst, wird unmittelbar darauf ansprechen und mit Gefühlen der Entspannung, der Stärke und des Vetrauens reagieren. Denn ein weiterer Aspekt von Angst ist ein Gefühl der Hilflosigkeit. Erschaffen wir uns daher eine positive Gedankenform, die uns Sicherheit, Unterstützung und Geborgenheit schenkt, wird diesem Gefühl die Grundlage entzogen.

Nachdem wir nun fünf Wege zum konstruktiven Umgang mit Angst kennengelernt haben, möchte ich noch eine Sache ergänzen: oft hören wir, Angst sei natürlich und sinnvoll, sie sei eben ein Teil der menschlichen Natur. Serge ist da anderer Meinung und seinen erfrischend unkonventionellen, typisch hawaiianischen Standpunkt dazu möchte ich Dir jetzt noch mit auf den Weg geben: Menschen, so Serge, sind unendlich kreativ. Sie können alles, was ihnen begegnet, konstruktiv nutzen - auch negative Emotionen.

Das bedeutet aber nicht, dass diese unbedingt notwendig sind! Es ist im Grunde nicht die Angstfreiheit, die wir erst erlernen müssen, im Gegenteil, diese ist unser natürlicher Zustand. Es ist die Angst, so Serge, die wir einmal erlernt, als Programmierung abgespeichert und immer wieder in der Praxis „geübt“ haben. Aber das heißt ja nicht, dass das auch so bleiben muss! Denn im Sinne des vierten Huna-Prinzips gilt:

MANAWA - der Augenblick Deiner Macht ist immer JETZT.

Übrigens:

Wenn Du dem bekannten Huna-Lehrer Serge Kahili King einmal persönlich begegnen, ein Seminar bei ihm besuchen und ausserdem die Wunder Hawai'is live erleben möchtest, hast Du dazu  Anfang kommenden Jahres bei unserer Huna-Reise nach Big Island und Kaua'i die Gelegenheit!

Für weitere Infos, einfach auf das Bild klicken. :)


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