Daseinszweck, Schicksal und die freie Wahl

 Eine Erforschung unseres Schöpferdrangs 

 Gastbeitrag von Stewart Blackburn, Big Island, Hawai'i

Übertragung ins Deutsche von Christoph Hetzenecker 

Es ist eine allgemein bekannte Erfahrung, dass wir ein starkes Verlangen haben, ein Bedürfnis sozusagen, Dinge zu tun, die für uns von Bedeutung sind. Der Drang, uns auszudrücken und Dinge zu erschaffen, die von Bedeutung sind, ist ein existenzieller Imperativ, ein wichtiger Aspekt des Menschseins. 

 

Dieser Drang, zu expandieren und zu erforschen, scheint jedoch dringend einen besonderen Schwerpunkt zu benötigen. Denn er ist oft einfach nur ein sehr starkes, aber verstörend vages Gefühl. Ein Teil von uns hat tiefe Sehnsucht nach Bedeutsamkeit und wir müssen einen Weg finden, diese Sehnsucht zu befriedigen.

 

Es gibt viele Möglichkeiten, diese Sehnsucht, diesen Antrieb zu betrachten. Wir können sie als Antwort sehen auf die Frage: "Warum bin ich hier auf der Erde?" Oder: „Um was zu erreichen, bin ich hierher gekommen?“ Prosaischer könnten wir fragen: „Was ist mein Platz im Leben? Wo passe ich hin?" All diese Fragen sind unterschiedliche Ausprägungen der Frage: "Was ist mein Schicksal?“

 

Diese Frage aber impliziert, dass es Kräfte jenseits unseres Bewusstseins gibt, die unsere Existenz lenken. Wir haben dann nur die Wahl, ob wir dieses Schicksal annehmen, sobald wir uns seiner bewusst werden, oder ob wir dagegen kämpfen wollen.

 

Eine Variante dieses Schicksalsmodells ist diejenige, die die Frage stellt: "Was ist mein Lebenszweck?" Dies erweckt den Eindruck, es gebe eine übergreifende Mission, in der wir zwar den freien Willen haben, zu entscheiden, wie wir unseren Lebenszweck erfüllen, aber alles geschieht doch im Rahmen dieser Aufgabe. 

 

Eine andere Sichtweise auf dieses Lebenszweckmodell besteht darin, es als Berufung zu betrachten. Dies impliziert natürlich, dass es jemanden gibt, der uns berufen hat, eine höhere Macht oder Kraft.

 

Eine Möglichkeit, die Gefühle unseres Schöpferdrangs zu organisieren, besteht auch im System des Karma. In traditionellen hinduistischen Denkweisen ist Karma ein komplexes System von Energiemustern, die Handlung mit Erfahrung verbinden, oft über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Dies vereinfacht die Beziehungen zwischen einem Moment und dem nächsten stark. Zwar gibt es reichlich Beispiele für das, was wir Ursache und Wirkung nennen könnten, jedoch ist es leicht, die vielen verschiedenen Einflüsse zu sehen, die in eine bestimmte Erfahrung einfließen. Und obendrein kann es gut sein, dass es diejenigen Gedanken und Gefühle sind, die wir im Voraus haben, welche die Erfahrung tatsächlich bewirken.

 

Eine weitere Möglichkeit, den Prozess des Erschaffens von Bedeutung zu betrachten, besteht darin, ihn in Bezug auf die Pflicht zu sehen. Dies legt nahe, dass Menschen im Allgemeinen in einer Welt leben, die einer höheren Ordnung folgt. Im Grunde ist es das, was im Hinduismus als Dharma bezeichnet wird, und es hängt mit dem Tao oder dem Weg des Taoismus zusammen. Demnach können wir nur glücklich sein, wenn wir unser Leben auf diese höhere Ordnung ausrichten.

 

All diese Modelle tragen dazu bei, den natürlichen Wunsch zu befriedigen, das eigene Leben sinnvoll zu organisieren. Wenn von mir erwartet wird, etwas ganz Bestimmtes zu tun, dann bin ich von der Verantwortung entlastet, die grundlegenden Fragen zu stellen, wie ich mein Leben leben soll. 

Nehmen wir aber doch einmal an, dass all diese Modelle im Wesentlichen entmächtigte Lebensansätze sind, die bei weitem nicht so befriedigend sind, wie andere mögliche Ansätze. Angenommen, wir möchten unser Leben auf die kraftvollste und freudvollste Weise leben, die man sich vorstellen kann. Was würde das dann bedeuten? Und haben wir tatsächlich die Freiheit, ein solches Leben zu führen?

 

Wie wäre es, wenn wir uns entscheiden, unser Leben nach dem Prinzip der freien Wahl zu gestalten? "Was möchte ich jetzt mit meinem Leben machen?" Die mit dieser Frage einhergehende Freiheit kann erstmal einschüchternd und intensiv sein. Aber sie bedeutet, dass wir hier auf der Erde sind, um genau der oder die zu sein, der oder die wir sind, und was auch immer wir tun, ist gut! Wenn wir auf diese Weise leben, können wir die Ergebnisse unserer Entscheidungen unmittelbar in den Erfahrungen unseres täglichen Lebens widergespiegelt sehen.

 

Wir können selbst entscheiden, ob wir glücklich sein wollen oder nicht. Wir können die verschiedenen Ebenen von Liebe oder Freude auswählen, die wir in unserem Leben haben wollen. Wir können Harmonie und Frieden oder Chaos und Verwirrung wählen. Hier gibt es keine vorgegebene richtige oder falsche Wahl.

 

Natürlich haben wir bestimmte Affinitäten und Werte. Wir fühlen uns zu bestimmten Dingen hingezogen und ignorieren viele andere. Wir haben Vorlieben und Neigungen, die uns wichtig sind. Diese Dinge scheinen inhärente Aspekte unserer Psyche zu sein und werden unsere Entscheidungen stark beeinflussen. Aber sie sind nicht dasselbe wie Anweisungen eines höheren Bewusstseins, Notwendigkeiten einer bestimmten Weltordnung oder Einschränkungen, die uns durch die DNA auferlegt werden. Diese Affinitäten und Werte sind Teil unseres einzigartigen Charakters und ähneln eher speziellen Werkzeugen, mit denen wir arbeiten können, wenn wir dies wünschen.

 

Um ganz wir selbst zu werden, ganz und gesund zu sein, müssen wir in der Lage sein, auszudrücken, was in der Tiefe unserer Seele geschieht. Dies muss keine ewig währende Entscheidung sein, an die wir gebunden sind, auch wenn die Dinge sich ändern. Es ist ein Ausdruck von Abenteuer und Erkundung. Wir probieren Dinge aus und sehen, ob sie uns gefallen. Wir können Techniken entwickeln, die uns helfen, den Wert einer Sache oder Richtung schnell zu beurteilen. Aber wir können uns jederzeit verändern und einen anderen Weg einschlagen, der lohnend aussieht.

 

Wenn wir, anstatt nach einem höchsten Kompass zu suchen, der uns immer führen wird, den Weg der Freiheit wählen und präsent bleiben in dem, was wir in einem bestimmten Moment fühlen, dann erlauben wir uns, zu wachsen - unvorhersehbar und ungeordnet, aber getreu unserer Natur und unserem Spirit. So öffnen wir uns für unzählige Möglichkeiten, die uns niemals über den Weg gelaufen wären, wenn wir unsere Auswahlmöglichkeiten eingeschränkt hätten.

 

Wir werden immer das Verlangen haben, zu erschaffen, und den Hunger nach Effektivität spüren. Aber wir müssen diese Gefühle nicht in einen Käfig aus Ideen zu einer bestimmten höheren Ordnung einsperren. Wir können unserer Fantasie freien Lauf lassen und sehen, was es auf unsere eigene ganz spezielle Art und Weise zu entdecken gibt! Es gibt keinen Ersatz für ein grenzenloses Leben!

Mehr über Stewart Blackburn, den "Shaman of Pleasure" findet ihr auf seiner Website unter: www.stewartblackburn.com

 

P.S.: Wäre es nicht schön, sich vollkommen wohl zu fühlen und zu fühlen, dass es Dir immer gut geht? Stewarts neuestes Buch, „It’s Time to Come Home“, zeigt einen Weg, um zu dem Gefühl zurückzukehren, in uns selbst zu Hause zu sein. 


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Kommentare: 1
  • #1

    Abigale Hofmockel (Freitag, 17 April 2020 19:53)

    Danke lieber Christoph für deine Übersetzung. Ich finde diesen Artikel absolut stimmig und befreiend.