Actual Reality oder: wie Du Dich erden kannst durch Einswerden mit dem Augenblick

In einer Pause während der Arbeit an diesem Artikel habe ich durch Zufall ein humorvolles Video entdeckt, in dem der „neueste Trend“ auf dem Gebiet der digitalen Gadgets präsentiert wird: die Actual-Reality-Brille! Der junge Mann, der das "Gerät" im Video ausprobiert, ist vollkommen begeistert von der „360°-Experience“ , den „awesome environments“, sowie der „wild interactivity“. Er trägt dabei die leere Hülle einer Virtual-Reality-Brille und sieht seine Umgebung somit ganz normal mit den eigenen Augen - actual reality eben! Diese Begeisterung über die tatsächliche, handfest erfahrbare Wirklichkeit, deren Teil wir sind, passt sehr gut zu dem Thema, mit dem ich mich in diesem Blog-Post beschäftigen möchte.

Denn in letzter Zeit ist mir öfter das Bedürfnis bewusst geworden, mich zu erden, ganz und wirklich hier zu sein in der gegenwärtigen Erfahrung. Grundsätzlich neige ich ja sowieso schon oft dazu, mit dem Kopf eher in den Wolken zu stecken, als ganz auf der Erde präsent zu sein. Und in den letzten Tagen und Wochen hat sich diese Tendenz wieder einmal ein wenig verstärkt. Diesmal aber habe ich von selbst ganz schnell gemerkt: das macht mich auf Dauer unglücklich und unzufrieden. 

Wir sind Erdenwesen

Kein Wunder: wir sind als Menschen in unserem Wesenskern erdbezogen (nicht umsonst leben wir auf der Erde) und brauchen den Bezug zum Handfesten, materiell Erfahrbaren genauso wie den Bezug zum Spirit, zum Göttlichen oder dem, was man unser „höheres Selbst“ nennen könnte. Ein Ungleichgewicht zwischen diesen beiden Ebenen macht uns in jedem Fall „unrund“, lässt uns uns unwohl fühlen. Jeder hat da seine ganz individuellen Gegebenheiten, jeder braucht das eine oder das andere gerade mehr oder weniger in seinem Leben. Das kann sich auch immer wieder einmal verändern, dann können wir darauf reagieren und entsprechend handeln. Bei mir ist es momentan aber, wie gesagt, vor allem der Erdaspekt, der gestärkt werden möchte.

Die Actual-Reality-Experience

Und da sind wir nun am entscheidenden Punkt angelangt. Denn sowohl zur Erdung als auch zur Anbindung an unseren Spirit, unser höheres Selbst, oder wie Du es auch immer nennen möchtest, gibt es sehr viele durchaus bereichernde Übungen sowohl im Netz als auch in unzähligen Büchern. Wer sucht, wird hier schnell fündig werden. Nun haben diese Übungen, was den Erdaspekt angeht, oftmals aber einen entscheidenden Haken: sie finden genauso in unserer „Innenwelt“ statt, wie andere Meditations- oder Visualisierungs-Übungen auch - und damit eben nicht in der materiellen Wirklichkeit.

Ich sage nun nicht, dass dies generell verkehrt ist. Grundsätzlich gilt immer: die Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit. Wenn also eine dieser Übungen für Dich funktioniert und Du Dich dadurch gut geerdet fühlst, bleibe dabei. Nur kam mir in den letzten Tagen die Erkenntnis, dass zumindest für mich „geerdet sein“ in erster Linie einmal voraussetzt, eben damit und vorrangig damit zu tun zu haben: mit der Erde, beziehungsweise dem irdischen Da-Sein im gegenwärtigen Augenblick und an dem Ort, an dem ich mich jetzt gerade ganz physisch befinde.

Was bedeutet das konkret? Es bedeutet für mich, dass ich selbstverständlich  versuchen kann, mich bequem hinzustellen, am besten draußen, um mir dann beispielsweise vorzustellen, wie Wurzeln aus meinen Füßen in die Erde wachsen und mich fest mit ihr verbinden, wie ich immer stärker und kräftiger mit der Erde verbunden und in ihr verwurzelt bin, wie ein starker Baum. Das ist eine oft empfohlene und sehr schöne Übung, die durchaus funktionieren kann. Nur wie gesagt: sie findet dennoch in meiner Innenwelt statt… 

Der erste Schritt hin zu wirklicher Erdung ist für mich deshalb zunächst, die volle Aufmerksamkeit auf das Leben im außen, im gegenwärtigen Augenblick und am gegenwärtigen Ort zu richten, sozusagen die VR-Brille durch eine AR-Brille zu ersetzen... Das heißt weiter, wirklich alles was wir tun, ganz bewusst zu tun, uns bewusst darauf einzulassen. Und mit jeder Faser unseres Körpers, jeder Zelle, jedem Gedanken und jedem Gefühl HIER zu sein, ja ganz zum HIER zu werden, vollkommen darin einzutauchen. Und - und das ist das Entscheidende - uns zu erlauben, dabei glücklich zu sein! Nirgends anders sein zu wollen als genau hier und jetzt. Eine besondere Visualisierungsübung oder ähnliches braucht es dafür eigentlich gar nicht.

Erdung in diesem Sinne und in diesem Bewusst-Sein ist für mich im Übrigen auch eine Möglichkeit, uns das zu erleichtern, was ich in einem früheren Blogartikel beschrieben habe, nämlich uns entspannt zurückzulehnen und die „Flussfahrt“ unseres Lebens zu genießen. Denn wenn wir ganz in der uns momentan umgebenden Wirklichkeit geerdet, angekommen und dabei glücklich sind, müssen wir den Fluss unseres Lebens nicht mehr kontrollieren,  müssen wir uns nicht mehr „am Baumstamm festhalten“, sondern können in freudvoller Erwartung und Gelassenheit auch in jedem neuen Augenblick wieder geerdet und glücklich sein.

Und nun doch noch eine Übung

Auch wenn ich glaube, dass bis hierher durchaus verständlich geworden ist, was ich Dir zum Thema Erdung sagen wollte, möchte ich am Ende jedes Blogartikels doch immer gerne eine praktische Übung präsentieren, um das Besprochene direkt erfahrbar zu machen. Und obwohl ich oben ausgeführt habe, dass Anleitungen zur Erdung ihr Ziel meiner Meinung nach oftmals verfehlen, gibt es eine Übung, die ich Dir zum Schluss doch noch ans Herz legen kann. Diese stammt - wie könnte es anders sein? - aus dem wunderbar praxis- und erdbezogenen Huna-Schamanismus.

Es handelt sich dabei um einen sogenannten Nalu-Prozess. Das hawaiianische Wort Nalu bedeutet soviel wie „friedliche Vereinigung“, „Zustand der Einheit“ oder „Kontemplation“ und ist eine Meditationsform des hawaiianischen Schamanismus, die in verschiedenen Varianten durchgeführt werden kann. Für unseren Zweck der Erdung durch bewusstes Sein, indem wir also sozusagen einen „Zustand der Einheit“ (= Nalu) mit dem gegenwärtigen Augenblick und der uns umgebenden Wirklichkeit erzeugen, wollen wir das „Nalu des Sehens“ anwenden.

1. Der erste Schritt dabei ist, zunächst einmal Deine Aufmerksamkeit entspannt aber fokussiert auf den gegenwärtigen Augenblick und die Dich aktuell umgebende Wirklichkeit zu richten. Nimm alles ganz genau wahr: die Farben, Formen, Oberflächenstrukturen um Dich herum, die Geräusche und Gerüche, die Kleidung an Deinem Körper und Dein Körpergefühl, die Stellung Deiner Hände und Füße. Wo und wie Du Dinge berührst, wie sie sich anfühlen und so weiter. Gib Dich dem ganz hin, verschmelze sozusagen mit dem Augenblick. Und spüre genau hin: Du darfst Dir erlauben, dabei glücklich zu sein!

2. Zusätzlich kannst Du nun einen „Absichts-Rahmen“ festlegen und mit der Reichweite Deiner Aufmerksamkeit experimentieren. Das kann beispielsweise heißen, dass Du Dir vornimmst, an einem bestimmten, Dir vielleicht schon lange vertrauten Gegenstand in Deiner Umgebung etwas Neues zu entdecken. Das muss nichts spektakuläres oder überraschendes sein, aber eben etwas, das Du bis jetzt noch nicht wahrgenommen hattest. Oder Du fokussierst Dich zum Beispiel darauf, in einem bestimmten Bereich Deines Sichtfeldes bewusst Schönheit zu finden. Nimm Dir dazu mal einen größeren, mal einen kleineren Ausschnitt Deiner Umgebung vor.

3. Zur bewussten Erdung noch viel besser geeignet ist das Nalu des Sehens, wenn Du es draußen in der Natur durchführst. Gehe dazu einfach draußen spazieren und werde ganz eins mit der Dich umgebenden Wirklichkeit, wie oben beschrieben. Nimm Dir dabei vor, auch hier etwas neues und/oder Schönheit in Deiner Umgebung zu entdecken. Suche Dir dazu immer kleine Ausschnitte aus, auf die Du Deine entspannte, aber fokussierte Aufmerksamkeit richtest: beispielsweise eine bestimmte Gruppe von Wolken, eine kleine Ansammlung von Blumen, einen Baum, eine Felsformation und so weiter.

Egal wo und wie Du Nalu zur bewussten Erdung anwendest, wichtig ist dabei jeweils die vollkommene Verschmelzung mit der Schönheit des Augenblicks und Deiner Umgebung, sowie die folgende Geisteshaltung, die Du Dir auch als Affirmation zwischendurch immer mal wieder bewusst machen darfst:

Und wenn Du ganz genau und bewusst wahrnimmst und wirklich einswirst mit dem Leben, wirst Du feststellen, dass es für dieses Glücklichsein in jeder Situation zahlreiche Gelegenheiten gibt!

Übrigens: Das am Anfang erwähnte und so gut zu diesem Blog-Post passende Video über den erstaunlichen neuen Trend der „Actual Reality (AR)“ findest Du auf meiner Facebookseite.


Wenn Du mehr über den wunderbar erdbezogenen und zugleich sehr lichtvollen Huna-Schamanismus, die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten von Nalu, sowie viele weitere spannende und entspannende Techniken erfahren möchtest, kann ich Dir das Buch "Der Stadtschamane" von Serge Kahili King sehr ans Herz legen. Es ist die Einführung in Huna und enthält viel transformatives Wissen und nützliches Handwerkszeug aus der spielerischen und freudvollen Welt des hawaiianischen Schamanismus.


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